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Montag, 5. Februar 2018

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar


Den Schrei nach Skrei hat im Januar schon jeder gehört, wo aber bleibt der Schrei nach Queller?
Queller, Meeresspargel, Sea Beans, Salicornia, Samphire ist wohl das Knackigste und Frischeste, was Salzwasser zu bieten hat aber leider noch relativ unbekannt.
Skrei und Queller können auch alleine - zusammen sind sie aber ein Dreamteam! Der norwegische Winterkabeljau und knackiger Meeresspargel spülen so viel Nordsee an den Tisch, dass man die Möwen schreien und die Wellen rauschen hört.

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar


Queller wird gern für eine Alge gehalten, sobald man aber hineinbeißt, merkt man, dass er an Salat erinnert, wenn auch an sehr salzigen Salat. Tatsächlich gehört Salicornia zu den Chenopodiaceae, den Gänsefuss-Gewächsen. Er ist rein pflanzlich und kommt irgendwie doch aus dem Meer. Diese typische Salzvegetation gedeiht überall da, wo es Salzwasser gibt, auch in Flüssen, sofern sie genügend Salz mitführen.  
An der Nordsee, besonders am Wattenmeer ist er besonders verbreitet und schmeckt mordslecker zu allen Fischgerichten. Das hat die gehobene Küche auf Sylt schon lange vor mir gemerkt und so gab es ihn dort an unserem Wochenende auf Sylt zu allen Gerichten, die wir aßen. 
Queller lässt sich natürlich auch rein vegetarisch verarbeiten und passt aber auch großartig zu Salzwiesenlamm, welches den Queller ebenfalls als schmackhafte Grasalternative kennengelernt hat. 
Mein Rezept für Linguine mit Skrei und Queller gibt es am Ende des Beitrags, vorher kommen noch ein paar Eindrücke von unserem eisigen, nassen, nebligen und trotzdem wunderschönen Wochenende auf Sylt.

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar
Fahrt über Wasser

Allein am Winterstrand 

Sylt im Winter hat mit dem trubeligen Sommer-Sylt wenig zu tun. Natürlich ist es mir Sommermensch auch viel lieber, wenn es warm und sonnig ist, dafür hat man im Winter einfach seine Ruhe.
Schon die Überfahrt ist ein Genuss und die Vorfreude steigt, wie immer. Den Strand hat man bis März fast für sich allein und die endlose Weite ist einfach fantastisch.


Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar

Das launige Januarwetter änderte sich alle halbe Stunde und war völlig unberechenbar. Von Schnee über Nebel, Regen und sogar Sonnenschein, war eigentlich alles im Programm. Leider musste ich die Nikon oft im Haus lassen, weil es einfach zu feucht war. Das eine oder andere iPhone Foto ist heute also mit im Blog.

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar
Eben noch bester Sonnenschein, kommt es von hinten wieder ganz dicke
Abenteuer auf Sylt. 

Weil mein Mann und ich, beide unbedingt angeschwemmte Fischernetze aus dem Wasser bekommen wollten, gab es nasse Füße. Jedenfalls für einen von uns. Doooch, er wollte die Netze auch haben! Was ihr als Deko oben und unten neben dem Skrei und Queller-Teller seht, wurde hart erkämpft. Die Netze hatte der Sand so tief eingebuddelt, dass sie losgeschnitten werden mussten. Ist der Ehrgeiz erstmal geweckt, stören auch die nassen Füße bei -1°C wenig. Wat mut, dat mut!
Hat sich auch gelohnt. Ich habe massig Dekor für kommende Fischgerichte und der Mann keine Erkältung bekommen, obwohl er mit Turnschuhen im Wasser stand. Mein Held!

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar


Essen gehen auf Sylt

Wie schon gesagt - ich liebe es im Winter ein langes Wochenende auf der schönen Insel zu verbringen, ich werde es aber definitiv nie mehr im Januar machen.
Alles hat zu! Geschlossen, verrammelt - keiner da! Gut, nicht alles, aber fast alles. Jetzt im ruhigsten Monat wird pausiert, renoviert oder einfach nur blau gemacht. Dass ich mich durch die Neueröffnungen futtern wollte, hat niemanden interessiert. Von den heiß empfohlenen oder recherchierten tollen neuen Läden, war niemand für uns da.
Nichts mit tollen Restaurant Tipps, kein Tellerrand, kein Brot und Bier - da kann man nichts machen.

Ich muss also wiederkommen und das schleunigst.
Gegessen, getrunken, genossen und erholt wurde in Altbewährtem aber dennoch - glücklich und zufrieden.

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar Alte Friesenstube 

Die Alte Friesenstube von 1648 ist immer eine gute Wahl - im eisigen Januar gibt es wenige Orte, die so umwerfend gemütlich sind. Mit einer irren Detailliebe, die einem hier auf Sylt so häufig begegnet, wurde renoviert und dekoriert, fühlt man sich in vergangene Jahrhunderte versetzt und bestens aufgehoben.
Die Karte ist - kaum anders zu erwarten - auf Platt, die Speisen traditionell, regional aber stets modern interpretiert.
Meine Tartar Variationen waren das Beste, was ich seit längerem gegessen habe. Enorm gut!



Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar

Teekontor Keitum

Ein Lieblingsort an kalten Winternachmittagen ist der Teeraum im Kontorhaus. Die Auswahl aus über 100 Teesorten und Scones mit Clotted Cream und Teegelee machen das Wetter egal. Man kann hier Stunden verbringen, Zeitung oder iPhone lesen, am Kamin sitzen und wunderbar ruhig einfach mal nichts tun. Touristisches Treiben Fehlanzeige, hier ist es distinguiert und das ist gut so. 
Auf Bewertungportalen, gab man sich manchmal unzufrieden, weil man sich mit Kind nicht gut aufgehoben fühlte - ich finde, es darf auch mal ruhig zugehen und genieße bummeliges Rumsitzen als Mutter a.D. auch gern ohne Kinder, die um die Tische laufen in einem Teeraum, wo nur der Kamin knistert und das Klavier vor sich hinklimpert. Herrlich! 
Im Sommer gibt es andere Plätze, die einen berauschen, jetzt im Januar war es hier allerbest, wie man auf plattdütsch sagt. 

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar


In Keitum ist auch der Nebel schön

Westerland kann mir gestohlen bleiben, mein Herz gehört Keitum. Egal wo man hier um die Ecke biegt - hier ist alles hübsch, gediegen und pittoresk. Und eben alt. Woanders an der Nordsee ist Altes einfach nicht so schön, so liebevoll restauriert, so im Ganzen konserviert und erhalten. Da hat mal jemand tüchtig aufgepasst, als der Inselboom losging. Hier im Kapitänsdorf, kann man straßenweise alte Friesenhäuser sehen und das hoffentlich noch ganz lange.

Keitum




Queller

Rezept für Pasta mit Skrei und Queller

Über den Skrei muss man nicht mehr viel erzählen, außer dass man fast jeden anderen Fisch jetzt getrost liegen lassen sollte, denn die Saison beträgt kaum 4 Monate und die sollte man ausnutzen. 
Der nordischer Winterkabeljau, prosaisch das Gold der Lofoten genannt, ist so herrlich, das man bis Ende der Saison nicht viel anderes braucht. Das schneeweiße, feste, so toll segmentierte Fleisch ist ein Traum und begeistert mich jedes Jahr wieder. 
Er paart sich heute mit Queller, über den ich oben schon etwas geschrieben habe. Hier nur noch mein Rat, bei dem Gericht extrem vorsichtig zu salzen, der Meeresspargel bringt wirklich genug Salz mit.  Ich salze am Ende nur den Fisch mit Salzflocken, die Sauce gar nicht. 

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar

2 Portionen
Zubereitungszeit 30 Minuten

Zutaten

Sauce
2 Schalotten
2 Prisen Zucker
1 kl. Knoblauchzehe
2 Tl Butter
1 kl. Chilischote, entkernt
150 ml Weißwein
150 ml Fischfond oder Gemüsebrühe
2 El Crème fraîche
100 g Queller
Pfeffer
Salzflakes

und sonst noch
200 g Linguine oder andere Pasta
300 g Skrei, außerhalb der Saison Kabeljau (30 Min. vorher aus dem Kühlfach holen)

Zubereitung


  1. Schalotten  und Knoblauch sehr fein hacken.
  2. Schalotten in 1 Tl Butter mit dem Zucker glasig dünsten, Knoblauch hinzu geben und mit Weißwein und Brühe ablöschen. Crème fraîche hinzugeben und etwa 15 Minuten einkochen.
  3. Pasta nach Anweisung in wenig Salzwasser kochen, anschließend 1 Schuss Kochwasser zur Sauce geben.
  4.  Sauce einkochen, bis gerade eben genug Sauce für 2 Portionen übrig ist.
  5. Fisch in 1 Tl Butter von beiden Seiten etwa 2 1/2 Minuten braten. Währenddessen Queller waschen, gegebenenfalls verlesen und für 3 Minuten zur Sauce geben und sanft garen. 
  6. Pasta ebenfalls zur Sauce geben, durchschwenken und mit Pfeffer abschmecken. 
Pasta mit der Sauce anrichten. Segmente vom Skrei dazugeben und nur den Fisch mit Salzflocken bestreuen.

Darf's ein bisschen Meer sein? Pasta mit Skrei und Queller und Sylt im Januar



Soviel Meer tut gut und macht Lust auf neue Küstenabenteuer.

Macht es euch frisch und knackig,
Simone








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Hier schreibe ich über Kochen, Reisen und Genießen, teile mit euch frische Ideen, kreative Rezepte und meine Leidenschaft für gutes Essen.

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